Was Wut und Ärger mit dem Kochen von Kartoffeln zu tun hat

Konflikte in zwischenmenschlichen Beziehungen eskalieren dann sehr häufig, wenn wir miteinander kommunizieren wollen und innerlich noch so richtig ärgerlich oder wütend sind. In Wut und Ärger geht es uns nicht gut - das ist klar. Doch hinter diesen aufbrausenden Gefühle versteckt sich noch viel mehr. Dort stecken Schmerz und Leid und mit beidem wollen wir nicht alleine sein.


Innerlich werfen wir dem anderen vor, dass wir wütend sind und leiden, weil der andere dies oder jenes getan bzw. dies oder jenes eben nicht getan hat. Wir wollen unserer Wut endlich Luft machen und in unserem Ärger wohnt etwas sehr Dringendes.

Wir wollen dass der andere weiß, dass wir ein Problem haben und dass dieses Problem mit ihm zu tun hat.

Die Wut ist ein sehr starkes Gefühl. Sie sagt: "Das was gerade ist, gefällt mir nicht und ich kann und werde es irgendwie ändern." Soweit so gut. Was Wut jedoch häufig so destruktiv macht, ist die fehlende Klarheit. Die fehlende Klarheit darüber, was genau uns nicht gefällt und wie genau wir es konstruktiv ändern können. Handeln wir also aus dieser unklaren Wut beziehungsweise diesem unklaren Ärger heraus, eskaliert die Situation und wir schaffen immer wieder neues Leid.

Wir brauchen Zeit, um uns über unsere Wut klar zu werden – was ist es, das uns so bewegt?

Und jetzt kommen wir zu den Kartoffeln. Wut und Ärger sind sehr starke Gefühle, daher ist es gut, nichts zu übereilen. Um Kartoffeln zu kochen, braucht es circa 20 Minuten. So lange braucht, es bis die Kartoffeln weich sind. Erst dann sind sie in einer bekömmlichen Form und können weiterverarbeitet oder gegessen werden. So ist es auch mit Wut und Ärger. Sie brauchen Zeit, bis Sie in eine bekömmlichere Form kommen und weiterverarbeitet werden können.


Wenn du also einmal wieder wütend und ärgerlich bist, dann gehe aus der Situation und setze einen Topf mit Kartoffeln auf. Setze dich neben den Herd und während die Kartoffeln ihre Zeit bekommen, weich zu werden, betrachte deine Wut und deinen Ärger:


Worum geht es dir in dieser Situation?

Welche Bedürfnisse sind aktuell nicht erfüllt?

Was genau möchtest du verändern?

Was, von alldem, das dich innerlich so bewegt, soll dein Gegenüber wissen?

Wie soll er oder sie davon erfahren?


Während die Kartoffeln weich werden, dürfen so auch deine Wut und dein Ärger weich werden und sich verändern. Wer weiß, vielleicht triffst du dich anschließend mit deinem Gegenüber bei einem gemeinsamen Mahl und du bist bereit mit neuer Klarheit über deine Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen.